Neuinventarisierung der Vorkommen des Moorglöckchens (Wahlenbergia hederacea) im Saar-Ruwer-Hunsrück

Wahlenbergia_hederacea

Das Moorglöckchen (Wahlenbergia hederacea), auch Efeublättriges Moorglöckchen oder Moosglöckchen genannt, ist die Charakterpflanze des westlichen Teils des Hunsrücks. Im Rahmen der Floristischen Kartierung des Saarlandes auf Initiative von Prof. Dr. Rüdiger Mues, dem langjährigen Vorsitzenden der Delattinia, und des Nasswiesen-Projektes des NABU Saarland sollen die heute noch vorhandenen Vorkommen der Art im diesen Teilareal neu inventarisiert werden.

Das kleine Pflänzchen aus der Verwandtschaft der Glockenblumen hat einen fädigen Stängel mit kleinen, bis etwa einen Zentimeter großen, Blätter, deren Umriss an die eines Efeus erinnern (Name!). Die niederliegenden Triebe kriechen durch die Vegetation. Ab Mitte Juli bilden sich hellblaue, bis 1 Zentimeter große Blüten. Sie ähneln in der Form denen der bekannten Wiesen-Glockenblumen wie der Rundblättrigen Glockenblume (Campanula rotundifolia), sind jedoch wesentlich kleiner und zierlicher.

Die Vorkommen des Moorglöckchens im Saar-Ruwer-Hunsrück und seinen Randgebieten, sind bedeutendster Vorposten am Ostrand des westeuropäischen Areals der Art. In Deutschland gibt es darüber hinaus nur noch wenige weitere Regionen, in denen die Art vorkommt. Vielfach sind die dortigen Vorkommen bereits erloschen, wie in einem kleinen Teilareal um Kaiserslautern. Das Moorglöckchen ist an feucht-humides Klima gebunden, so dass es im westlichen Saar-Ruwer-Hunsrück mit seinem regenreiches und kühles Regionalklima gute Bedingungen findet.

Lebensraum der Art sind moorige und anmoorige Wiesen und Weiden und lichtdurchflutete Auen. Sie besiedelt die bachnahen Bereiche von basenarmen Flachmooren, gemähte oder durch extensive Beweidung offen gehaltenen Waldbinsen-Nasswiesen und Quellmooren über bodensauren Standorten. Das konkurrenzschwache Moorglöckchen ist an eine regelmäßige Mahd oder extensive Beweidung angewiesen. Bei Düngung oder Entwässerung verschwindet es sofort. Nach Brachfallen der Flächen kann es sich eine Zeitlang halten, um dann dem Konkurrenzdruck von Waldsimse (Scripus sylvaticus), Mädesüß (Filipendula ulmaria) oder anderen hochwachsenden Arten zu erliegen.

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Areal und Vorkommen des Moorglöckchens (Wahlenbergia hederacea) Mitte der 1980er Jahre im Saar-Ruwer-Hunsrück und angrenzenden Räumen

Viele der ehemaligen Fundstellen, die der Altmeister der Feldbotanik des Saarlandes, Dr. Paul Haffner aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch kannte, sind heute verschwunden. Dafür findet man heute Populationen auch in anthropogen überprägten Flachmoorbereichen, wie auf Freizeit-Grundstücken, deren Rasenflächen kurz gehalten werden oder in der Umgebung von Fischteichen. Hier erfolgt noch eine Mahd der Vegetation, wie sie früher in den gesamten Bachauen üblich war. Auch auf feuchten, nicht befestigten Waldwegen findet das Moorglöckchen Lebensraum. Diese Vorkommen sind jedoch nur vorübergehender Natur.

Nutzungsaufgabe, Düngung und Entwässerung der Nasswiesen und intensive Beweidung werden wohl auch in Zukunft dazu führen, dass sich die Art von ihren Primärstandorten zurückzieht. Dem wollen wir mit gezielten Maßnahmen zum Erhalt dieser Standorte entgegenwirken.

Wer Vorkommen des Moorglöckchens kennt, den bitten wir uns diese mitzuteilen: per E-Mail an Rüdiger Mues oder Thomas Schneider. Bitte mit möglichst genauer Angabe der Fundstelle, am besten mit der Markierung auf einer Karte oder einem Luftbild, oder einer Koordinate . Oder gleich auf FFIpS, dem neuen Faunistisch-Floristischen Informationsportal Saarland.