Delattinia News

2018: Bestandssituation des Königsfarns (Osmuna regalis) im Rotenbachquellgebiet und Schuster-Hannes-Bruch bei Bergen

Datum: 

19.07.2018

Ort: 

Bergen, Rotenbach, Schuster-Hannes-Bruch
Königsfarn (Osmunda regalis) im Schuster-Hannes Bruch. Foto: Th. Schneider, 19.07.2018
Königsfarn (Osmunda regalis) im Schuster-Hannes Bruch. Foto: Th. Schneider, 2018
Moorglöckchen (Wahlenbergia hederacea) im Schuster-Hannes-Bruch. Foto: Th. Schneider, 19.07.2018
Moorglöckchen (Wahlenbergia hederacea) im Schuster-Hannes-Bruch. Foto: Th. Schneider, 19.07.2018
Moorglöckchen (Wahlenbergia hederacea) (Blüten) im Schuster-Hannes-Bruch
Moorglöckchen (Wahlenbergia hederacea) (Blüten) im Schuster-Hannes-Bruch. Foto: Th. Schneider, 19.07.2018

Wir waren am 19.07.2018 wieder bei den Königsfarnen im Oberen Rotenbachtal und im Schuster-Hannes-Bruch.
Auch in diesem Jahr hat sich der Bestand höchst erfreulich entwickelt!
Im Oberen Rotenbachtal, im eingezäunten Bereich, fanden wir einen Stock mehr als 2017, also 8 Stöcke mit insgesamt 23 Wedeln, die meisten noch jung und deshalb sehr klein. An den beiden kräftigsten Stöcken sind die Wedel bis zu 90 cm hoch und 3 davon fertil, 2017 hatten wir hier keine fertilen Wedel beobachtet!
Für die Königsfarne im Oberen Rotenbachtal lässt sich also eine weitere Verbesserung der Bestandssituation feststellen!

Im Schuster-Hannes-Bruch sind die Königsfarn-Vorkommen nicht nur stabil, sie haben sich gegenüber 2017 auch vergrößert.
Im unteren, westlichen Bereich, wachsen im Zaun und außerhalb des Zauns zusammen 16 Stöcke mit 56 Wedeln, die längsten sind 1.20 m lang, 10 Wedel sind fertil. Ein Wildverbiss wurde in diesem Jahr an keiner Stelle außerhalb der Zäune festgestellt!
Im nördlichen Bereich konnten wir 20 Stöcke in und außerhalb des Zauns zählen, mit 45 Wedeln, die längsten bis 1.30 m hoch, fertil sind 28. Damit erhöht sich in diesem Jahr die Zahl der fertilen Wedel im Schuster-Hannes-Bruch auf 38.
Äußerst erfreulich ist, dass wir nur wenige Meter südlich der nördlichen Stelle zwei neue Vorkommen entdeckt haben: eins kaum 1 m südöstlich mit 1 Stock und 11 kleinen Wedeln, ein zweites 2 m südwestlich mit 4 Stöcken und insgesamt 19 Wedeln, die längsten bis 60 cm hoch, alle steril.
Auch die eingezäunten Königsfarn-Stöcke im östlichen Bereich sind wieder da. Wir konnten 4 Stöcke mit 21 Wedeln zählen, alle steril, die längsten 80 cm lang.

Demnach finden sich heute im Schuster-Hannes-Bruch räumlich deutlich getrennt voneinander, insgesamt 5 Königsfarn-Gruppen mit 45 Stöcken und 152 Wedeln. So viele Königsfarne gab es im Schuster-Hannes-Bruch seit vielen Jahren nicht mehr.

Es gibt wenige verlässliche Zahlen vor der Zeit, seit wir uns zusammen mit den beiden Förstern, Herrn Simon und Herrn Reinert, um die Farne kümmern.
So schreiben Breuer & Laska (1971) in einer Arbeit über die Verbreitung des Königsfarns in der Südwesteifel und im Hunsrück zum Gebiet um das Schuster-Hannes-Bruch: „7. Gemeindewald Scheiden. Abt. 2-4, MTB 6406 Losheim, 120 Stöcke. Die große Anzahl von Stöcken liegt in Gruppen verstreut an einem ausgedehnten Gebiet mit ausgesprochenem Bruchcharakter zwischen Greimerath, Scheiden und Bergen.“ Daraus geht nicht zweifelsfrei hervor, dass mit der Zahl von 120 Stöcken ausschließlich das Schuster-Hannes-Bruch gemeint ist, zumal wir ja auch Osmunda-Stöcke aus dem Oberen Rotenbachtal kennen. 

Herr Dr. H. Reichert (pers. Mitt.) kennt das Schuster-Hannes-Bruch mindestens seit Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts und nennt aufgrund seiner schriftlichen Aufzeichnungen z. B. als ein genau bekanntes Datum, an dem er im Bruch war, den 1. August 1973. An dem Tag glaubt er sich an etwa 20-30 Osmunda-Stöcke, ± gleichmäßig verteilt über das gesamte Bruch, zu erinnern und bezweifelt die große, von Breuer & Laska (1971) angegebene Zahl von 120 Stöcken für das Bruch. Fast die gleichen Beobachtungen wie Dr. Reichert hat auch Dr. E. Sauer (pers. Mitt.) ebenfalls in diesem Zeitraum im Bruch gemacht.

Der Merziger Botaniker Paul Haffner hat in den 1980er Jahren einem der Autoren diese News (Th. Schneider) von etwa 100 Osmunda-Stöcken im Schuster Hannes Bruch berichtet. Eigene Aufzeichnungen (Th. Schneider) aus dieser Zeit geben für die Lokalität Schuster Hannes Bruch an: "1983 ca. 40 Stöcke", für das Quellgebiet des Rotenbaches "1987: 8 Stöcke" und für das Rotenbachtal unterhalb der Mäschwieß "1983: noch ein Stock am Rotenbach". Die letztgenannte Lokalität liegt bereits im Minutenfeld-Raster 6406/313.

Noch eine weitere erfreuliche Nachricht aus dem Schuster-Hannes-Bruch: wir haben hier in den letzten Jahren im Zuge unserer aktuellen Moorglöckchen-Wahlenbergia-Kartierung immer wieder nach der hier von früher bekannten Art gesucht, sie aber nie gesehen. Bei unserem diesjährigen Besuch entdeckten wir dann zu unserer Verblüffung direkt vor der nördlichen Königsfarn-Gruppe einen sehr schönen Bestand in Vollblüte auf einer Fläche von etwa 50-60 m². Wir werden uns dazu in einem anderen Beitrag in den „News“ bezüglich der laufenden Wahlenbergia-Kartierung näher äußern.

Literatur: Breuer, K. & Laska, C. (1971). Die Verbreitung des Königsfarns (Osmunda regalis L.) (Pteridophyta: Osmundaceae) in der Südwesteifel und im Hunsrück (Reg.-Bez. Trier).- Decheniana 123 (Heft 1/2), 171-173.
 

 

Wiederfund des Sprossenden Bärlapps (Lycopodium annotinum) im Moosbruch bei Scheiden

Datum: 

09.08.2017

Ort: 

Moosbruch bei Scheiden
Bestand des Sprossenden Bärlapps (Lycopodium annotinum) im Moosbruch. Foto: Th. Schneider, 09.08.2017
Bestand des Sprossenden Bärlapps (Lycopodium annotinum). Moosbruch bei Scheiden. Foto: Th. Schneider, 09.08.2017
Dichter Fichtenjungwuchs im Moosbruch bei Scheiden
Dichter Fichtenjungwuchs im Moosbruch bei Scheiden. Foto: Th. Schneider, 09.08.2017

Das Moosbruch bei Scheiden, das sich im Quellbereich des Lannenbaches vom Saarland bis in die Region Trier hinein ausdehnt,  hat sich in der Vergangenheit durch das Vorkommen zahlreicher seltener und gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen ausgezeichnet. Aus Mitte der 1980er Jahre waren von dort beispielsweise Vorkommen der Zweinervigen Segge (Carex binervis) und des Moorglöckchens (Wahlenbergia hederacea) bekannt. Von 1983 bis mindestens 1990 konnte im saarländischen Teil des Moosbruchs auch Lycopodium annotinum beobachtet werden, die einzige damals bekannte Stelle im Bundesland. Sturmwürfe, Aufforstung und Sukzession in dem mit Entwässerungsgräben durchzogenen Moor haben den Lebensraum zwischenzeitlich stark verändert, so dass Mitte der 2000er Jahre keine Nachweise des Sprossenden Bärlapps mehr gelang.  Die Art gilt in der Roten Liste (Schneider et al.  2008) für das Saarland als verschollen.

Im Rahmen der Neuinventarisierung der Fundstellen des Moorglöckchens im saarländischen Teilareal habe ich auch Lannenbach-Quellgebiet und das Moosbruch besucht. Seit meiner letzten Untersuchung der Fläche hat sich dort vieles verändert. Das Moosbruch - zumindest der untere, saarländische Teil - ist heute dicht mit Fichten bestanden, offen Bereiche fehlen vollständig. Nach Wahlenbergia, die in geschlossenen Waldgebieten lichtdurchflutete offene Bachläufe oder offene Stellen wie Hirschsuhlen in Bruchgebieten als Lebensraum benötigt, sucht man dort heute vergeblich. Umso erfreulicher war jedoch der erneute Nachweis von Lycopodium annotinum. Die Art konnte ich in einem Fichtenjungwuchs im saarländischen Teil des Moosbruchs auf einer ca. 3 x 3 m große Fläche beobachten. Der vital wirkende Bestand war allerdings steril, nach Sporophyllständen habe ich vergeblich gesucht.

Karte

Autor(en): 

Th. Schneider

Tags: 

Aktuelle Bestandssituation des Königsfarns (Osmuna regalis) im Rotenbachquellgebiet und Schuster-Hannes-Bruch bei Bergen

Datum: 

27.07.2017

Ort: 

Bergen, Rotenbach, Schuster-Hannes-Bruch
Junger Königsfarn (Osmunda regalis) im Quellgebiet des Rotenbachs. Foto: B. Freiheit, 27.07.2017
Junger Königsfarn (Osmunda regalis) im Quellgebiet des Rotenbachs. Foto: B. Freiheit, 27.07.2017
Königsfarn (Osmunda regalis) mit fertilen Wedeln im Schuster-Hannes-Bruch. Foto: B. Freiheit, 27.07.2017
Königsfarn (Osmunda regalis) mit fertilen Wedeln im Schuster-Hannes-Bruch. Foto: B. Freiheit, 27.07.2017

Wir waren am 27. Juli 2017 wieder an den Königsfarnstellen im Rotenbachquellgebiet und Schuster-Hannes-Bruch N Bergen, über die bereits in den News vom 15. September 2016, 27. Juli 2015 und 3. August 2012 bereichtet wurde

Im umzäunten Bereich am Oberen Rotenbach wachsen in diesem Jahr 7 Königsfarn-Stöcke, demnach 3 Stöcke mehr als im letzten Jahr. Ihre Wuchsstellen wurden in einer Skizze festgehalten, um sie jederzeit wieder zu finden. Von jedem Stock wurde die Wedelzahl notiert und der längste Wedel jedes Stocks vermessen, um den künftigen jährlichen Zuwachs zu erkennen. Alle 7 Stöcke sind in diesem Jahr steril.

Im Schuster-Hannes-Bruch wachsen an der westlichsten, am längsten bekannten Stelle, im Zaun 4, außerhalb des Zauns 2 Stöcke. Die längsten Wedel sind 1.20 m lang. Im Zaun sind 3 Wedel fertil. Die fertilen Fieder sind schon abgestorben, braun, die Sporangien geöffnet und die Sporen entlassen. Zum Photographieren dürfte sich die Zeit zwischen 15. und 20 Juni am besten eignen.

Im nördlichen Bereich wachsen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Zauns jeweils 10 Stöcke, die längsten Wedel innerhalb des Zauns 1.40 m, außerhalb des Zauns 1.10 m. Insgesamt sind in diesem Bereich 10 Wedel fertil.

Der Grund, warum nicht alle Stöcke eingezäunt wurden, ist der, dass wir beobachten wollen, ob das Rotwild den Königsfarn regelmäßig verbeißt oder ob der Verbiss, den wir im Juli 2015 festgestellt hatten, ein einmaliges Ereignis war. Sobald wir feststellen sollten, dass wieder verbissen wird, werden alle Stöcke eingezäunt und bleiben umzäunt!

Die Königsfarn-Stöcke im östlichen Bereich stehen alle im Zaun. Überraschenderweise sind sie schon abgestorben. Um sie herum haben sich allerdings eine ganze Reihe hoher Gefäßpflanzen angesiedelt, die möglicherweise dazu beigetragen haben, dass diese Stöcke so früh abgestorben sind. Diese Gefäßpflanzen werden noch in diesem Jahr zurück geschnitten, in der Hoffnung, dass die Königsfarne im kommenden Jahr hier wieder austreiben.

 

Insgesamt ist die Situation der Königsfarne in beiden geschilderten Bereichen sehr erfreulich.

 

Die Mondraute (Botrychium lunaria) bei Bergen

Datum: 

18.05.2017

Ort: 

Südlich Bergen

Während einer gemeinsamen Exkursion konnte die vor zwei Jahren von Friedolin Arweiler neu gefundene Population der Mondraute (Botrychium lunaria) bestätigt werden. In einer sehr extensiv genutzten Viehweide wurden 6 Exemplare der seltenen Farnpflanze gefunden. Sie wuchsen in einer submontanen Magerwiese mit Übergängen zum Borstgrasrasen verteilt auf einer Fläche von ca. 3 x 3 Metern.